Eine Frau mit Schal trägt einen schlichten Lippenpflegestift auf.

Trockene Lippen: Was wirklich hilft – und was du lassen solltest

Kaum wird es draußen kalt, spannen die Lippen, werden rau und reißen ein. Trockene Lippen gehören im Winter zu den häufigsten Fragen bei uns in der Apotheke. Die gute Nachricht: Meist reichen ein paar einfache Regeln und die richtige Pflege.

Kurz gesagt: Lippen trocknen schneller aus als der Rest der Haut, weil sie dünner sind und keine eigenen Talgdrüsen haben. Was hilft: mehrmals täglich eine fetthaltige Lippenpflege, besonders vor dem Rausgehen und vor dem Schlafen. Was schadet: Ablecken, Zupfen und stark parfümierte Stifte. Hält die Trockenheit trotz Pflege über Wochen an, solltest du das abklären lassen.

Warum trocknen Lippen so schnell aus?

Die Haut der Lippen ist anders gebaut als die übrige Gesichtshaut. Ihre äußere Schutzschicht besteht nur aus etwa drei bis fünf Zelllagen, die Gesichtshaut aus rund 16. Außerdem fehlen den Lippen Talgdrüsen, Schweißdrüsen und Haarfollikel. Sie können sich also nicht selbst rückfetten.

Dazu kommt: Die Lippenhaut enthält kaum Pigment. Deshalb schimmern die Blutgefäße rot durch, und deshalb sind die Lippen auch gegenüber der Sonne empfindlich.

Typische Auslöser im Winter

  • Kälte und Wind: Sie entziehen der dünnen Lippenhaut Feuchtigkeit.
  • Trockene Heizungsluft: Drinnen geht es oft weiter, was draußen begonnen hat.
  • Ablecken: Fühlt sich kurz gut an, macht es aber schlimmer. Der Speichel verdunstet und nimmt Feuchtigkeit mit. Wer häufig leckt, kann sogar eine gereizte, gerötete Zone rund um den Mund bekommen.
  • Mundatmung: Bei einer verstopften Nase in der Erkältungszeit atmen viele durch den Mund, auch nachts.
  • Medikamente: Bestimmte Wirkstoffe trocknen die Lippen stark aus, zum Beispiel Vitamin-A-Säure-Präparate gegen schwere Akne. Wenn du so ein Medikament nimmst, sprich die passende Lippenpflege mit deiner Ärztin, deinem Arzt oder uns ab.

Was hilft bei trockenen Lippen?

  1. Fetthaltige Pflege, regelmäßig: Ein Lippenpflegestift oder Balsam bildet einen Schutzfilm, der die Feuchtigkeit in der Haut hält. Bewährt sind zum Beispiel Sheabutter, Wachse, Vaseline oder hautverwandte Lipide wie Ceramide.
  2. Vor dem Rausgehen eincremen: Gerade bei Kälte und Wind.
  3. Vor dem Schlafen eine dickere Schicht: Über Nacht hat die Pflege Zeit, und du leckst nicht unbewusst daran.
  4. Bei empfindlichen Lippen ohne Duftstoffe: Parfum und Aromen können gereizte Lippen zusätzlich belasten.
  5. Nicht zupfen: Lose Hautschüppchen lieber mit Pflege weich werden lassen, statt sie abzuziehen.
  6. Raumluft im Blick behalten: Regelmäßig lüften und nicht überheizen.

Und Trinken? Ausreichend zu trinken ist für den Körper wichtig. Ob mehr Wasser trockene Lippen spürbar verbessert, ist allerdings kaum untersucht. Die Pflege von außen ist bei trockenen Lippen der wichtigere Hebel.

Was du besser lässt

Lieber nicht Warum
Ablecken Speichel verdunstet und trocknet zusätzlich aus
Hautfetzen abziehen Die Lippen reißen weiter ein, kleine Wunden entstehen
Peeling auf rissigen Lippen Reibt die ohnehin gereizte Haut weiter auf
Stark parfümierte oder aromatisierte Stifte Können empfindliche Lippen reizen und zum Ablecken verleiten

Ist Honig gut für die Lippen?

Honig ist ein beliebtes Hausmittel und kann sich angenehm anfühlen. Allerdings ist er klebrig und süß, und genau das verleitet zum Ablecken. Gute wissenschaftliche Belege für Honig bei trockenen Lippen sind uns nicht bekannt. Ein schlichter, fetthaltiger Lippenbalsam ist die verlässlichere Wahl.

Lippen und Sonne

Weil die Lippen kaum Pigment haben, brauchen sie bei starker Sonne eigenen Schutz. Im Winter betrifft das vor allem den Skiurlaub und Ausflüge in die Berge. Dann sollte deine Lippenpflege einen ausgewiesenen Lichtschutzfaktor haben. Mehr dazu in unserem Artikel Sonnenschutz im Winter.

Wann solltest du zum Arzt?

Trockene Lippen sind meist harmlos. Lass sie aber ärztlich abklären, wenn:

  • die Beschwerden trotz guter Pflege länger als zwei bis drei Wochen anhalten,
  • die Mundwinkel immer wieder einreißen,
  • Bläschen, Krusten oder Schwellungen auftreten,
  • die Rötung über den Lippenrand hinausgeht oder stark juckt,
  • du vermutest, auf ein Pflegeprodukt allergisch zu reagieren.

Hinter solchen Beschwerden kann eine Entzündung der Lippen stecken, Fachleute sprechen von Cheilitis. Die Ursachen sind vielfältig und gehören in ärztliche Hände.

Häufige Fragen

Warum habe ich trockene Lippen?

Lippen haben eine sehr dünne Hautschicht und keine Talgdrüsen. Kälte, Wind, Heizungsluft und häufiges Ablecken trocknen sie deshalb besonders schnell aus.

Was hilft sofort gegen trockene Lippen?

Eine fetthaltige Lippenpflege auftragen und das Ablecken stoppen. Vor dem Schlafen darf die Schicht ruhig dicker sein.

Wie oft sollte ich meine Lippen eincremen?

So oft, wie sie sich trocken anfühlen. Bei Kälte und Wind sind mehrere Male am Tag normal.

Ist Honig gut für die Lippen?

Er fühlt sich angenehm an, verleitet aber zum Ablecken. Ein fetthaltiger Lippenbalsam ist die bessere Wahl.

Was ist eine Cheilitis?

So nennen Fachleute eine Entzündung der Lippen. Sie kann viele Ursachen haben und sollte ärztlich abgeklärt werden.

Unsere Empfehlung aus der Apotheke

Für trockene, rissige und empfindliche Lippen empfehlen wir den Ceramol 311 Lippenstick. Er enthält Ceramid 3, Cholesterin, Fettsäuren und Sheabutter und kommt ohne Parfum aus. Laut Hersteller ist er für sehr empfindliche Lippen geeignet und kann nach Bedarf mehrmals täglich aufgetragen werden.

Wer es klassisch mag, greift zu unserem Lippenschutz-Stick mit Sheabutter und Allantoin. Er enthält einen UVB-Filter sowie Parfum und Aroma.

Weitere Pflege für sehr trockene und empfindliche Haut findest du in unserer Ceramol 311 Linie.

Fragen zur Lippenpflege? Schreib uns an info@spexarder-apotheke.de – unser Apothekenteam berät dich gern.

Über den Autor: Matthias Irrgang ist seit 20 Jahren Apotheker und leitet die Spexarder Apotheke in Gütersloh, die es seit 1977 gibt.

Quellen

  • Übersichtsarbeit zur Alterung der Lippen und Lippenpflege, 2025. PubMed Central: PMC12308779
  • Universität Basel, Histologie-Lernplattform: Lippe
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